Foto: SPORT1
Basti Schwele ist einer der bekanntesten deutschen Darts-Kommentatoren und seit vielen Jahren für SPORT1 im Einsatz. Er begleitet unter anderem die Darts-Weltmeisterschaft in London, die Premier League Darts sowie zahlreiche internationale Major-Turniere. Ursprünglich aus dem Eishockey kommend, fand er früh zum Darts und entwickelte sich zu einer festen Stimme des Sports. In unserem exklusiven Interview spricht er über seine Vorbereitung, Intuition und den Arbeitsalltag während der WM.
Basti, was hat dich ursprünglich zum Kommentieren gebracht und warum gerade Darts? Gab es einen Punkt, an dem du gemerkt hast, dass dich dieser Sport nicht mehr loslässt?
Eigentlich komme ich ursprünglich aus dem Eishockey. Kommentieren mache ich schon sehr lange. Zum Darts bin ich über die WM 2008 gekommen, als ich bei SPORT1 gearbeitet habe. Damals gab es bei der Weltmeisterschaft ein oder zwei Tage, an denen Elmar Paulke nicht konnte, und dann hieß es relativ spontan: Hättest du Lust, beim Darts einzuspringen? Da ich ohnehin großes Interesse an der Sportart hatte, habe ich zugesagt.
Darts war bei uns im Haus schon immer eine extrem präsente Sportart. Es war die Nummer eins, viele Kollegen haben selbst gespielt, auch im Büro war Darts allgegenwärtig. So bin ich da reingerutscht. Ein Jahr später hat Elmar den Sender verlassen, und mir wurde angeboten, Darts komplett zu übernehmen. Darauf hatte ich richtig Lust.
Einen einzelnen Moment, an dem ich gemerkt habe, dass mich dieser Sport nicht mehr loslässt, gab es eigentlich gar nicht. Es war eher ein schleichender Prozess. So ab 2012 oder 2013 habe ich selbst intensiv angefangen zu spielen, während ich im Büro gearbeitet habe. Seitdem spiele ich durchgehend. Das Kommentieren ist fast schon ein Bonus geworden. Darts ist für mich klar die Nummer eins.
Aktuell kommentierst du die Darts-WM in London. Wie bereitest du dich konkret auf solch ein großes Darts Event vor und welche Informationen und Beobachtungen sammelst du im Vorfeld?
Man darf nicht vergessen, dass wir alle freiberuflich arbeiten. Das bedeutet, wir haben parallel noch andere Projekte und können uns nicht wochenlang ausschließlich auf ein Event vorbereiten. In der Regel sind es zwei oder drei Tage intensive Vorbereitung, sehr viel in Eigenregie.
Natürlich liefert die PDC zu jeder Weltmeisterschaft umfangreiche Informationen. Gleichzeitig habe ich mir über die Jahre ein sehr großes eigenes Archiv aufgebaut, in dem mittlerweile fast jeder Spieler erfasst ist, inklusive Hintergrundinfos und Notizen.

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In diesem Jahr war die Vorbereitung besonders anspruchsvoll, weil mit 128 Spielern viele Neulinge dabei waren, die man zuvor kaum oder gar nicht gesehen hatte. Entsprechend war der Aufwand höher. Gerade in den ersten beiden Wochen sitzt man vor jeder Session noch einmal drei bis vier Stunden da, um sich gezielt auf die anstehenden Spieler und Matches vorzubereiten.
Inhaltlich schaue ich mir an, wie die Spieler ihr Jahr bestritten haben, welche Ergebnisse sie zuletzt erzielt haben, wie direkte Duelle ausgegangen sind, sobald die Paarungen feststehen, und welche Turniere sie gewonnen haben. Vieles davon sammelt sich aber ohnehin über das Jahr hinweg an. Wir kommentieren ja nicht nur die WM, sondern auch die European Tour, die Major Turniere und die Premier League, die bereits im Februar startet und sich durchs gesamte Jahr zieht. Entsprechend ist das Archiv über die Zeit sehr gut gefüllt.
Darts lebt stark von Atmosphäre, Tempo und Persönlichkeiten. Wie triffst du während einer Live Übertragung die Entscheidung, wann du analytisch bleibst und wann du bewusst Raum für Emotionen, Geschichten oder Pausen lässt?
Das ist gar nicht so leicht zu erklären, weil es sehr viel mit Intuition zu tun hat. Es gibt bestimmte Situationen, in denen man extrem aufpassen muss. Zum Beispiel zu Beginn eines Legs. Wenn das direkt mit einer 180 losgeht, sollte man nicht gerade in einer Geschichte stecken, sondern nah am Spiel sein, weil sich jederzeit etwas Besonderes entwickeln kann.
Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür, wie ein Match läuft. Man merkt, wann sich kleine Pausen ergeben, wenn die Scores etwas niedriger sind oder das Tempo rausgenommen wird. Das sind dann Momente, in denen Raum für Geschichten oder Hintergründe entsteht.
Gleichzeitig lernt man mit der Erfahrung auch, wann es kritisch wird. Wann Entscheidungen anstehen und man die Geschichte abbrechen muss, um wieder reines Play by Play zu machen. Das ist nichts, was man sich anlesen kann. Das kommt über die Jahre durch Praxis.
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Nimm uns mal mit hinter die Kulissen: Welche operativen Herausforderungen begleiten dich während einer Live Übertragung und welche Routinen oder Strategien hast du entwickelt, um auch in stressigen Momenten professionell zu bleiben?
Das ist tatsächlich eine Frage, die mir so noch nie gestellt wurde. Operative Herausforderungen haben wir ehrlich gesagt kaum. Robby (Robert Marijanović, Anm. der Redaktion) und ich bekommen von unserem Chef Michael Langkau (Director Live / Mitglied der Chefredaktion bei SPORT1, Anm. der Redaktion) sehr große Freiheiten beim Kommentieren. Natürlich gibt es ein enges Zeitkorsett, das eingehalten werden muss, aber das Vertrauen ist da.
Unsere Routine ist klar. Wir sind sehr früh vor Ort, meist die Ersten bei den Übertragungen, und gehen als Letzte. Auch nach Sendeschluss sitzen wir oft noch eine Viertelstunde zusammen für Nachbereitung und Abstimmung. Unsere Tage gehen während der WM im Grunde von zehn Uhr morgens bis etwa ein Uhr nachts.
Stress empfinde ich während der Übertragung kaum. Dafür macht mir der Sport und das Kommentieren einfach zu viel Spaß. Der größere Stress entsteht eher im privaten Umfeld. Für die Familie bedeutet diese Zeit enorme Einschnitte. Eine klassische Vorweihnachtszeit gibt es für uns nicht. Von Mitte Dezember bis Anfang Januar läuft alles im Dauerbetrieb. Weihnachtsmärkte fallen weg, es bleiben im Grunde nur die Feiertage selbst, bevor es direkt weitergeht.
Die größten Kompromisse muss man daher mit der Familie eingehen. Der Beruf ist nicht besonders familienfreundlich, aber das gehört eben dazu. Am Ende hat man sich diesen Weg selbst ausgesucht.
Welche Perspektiven siehst du für dich in der Zukunft? Könntest du dir vorstellen, wieder stärker in die Richtung Eishockey zu gehen oder planst du ganz neue Wege in deiner Karriere?
Die Zukunft im Fernsehen ist schwer planbar. Alles läuft in Rechteperioden, meist über etwa drei Jahre. Danach stellt sich jedes Mal die Frage, welcher Sender die Rechte bekommt und ob man selbst dort weiterhin gefragt ist. Einen festen Karriereplan kann man in diesem Umfeld kaum machen.
Man ist immer abhängig davon, wer welche Rechte hält und welche Sportarten gefragt sind. Deshalb muss man flexibel bleiben. Es kann durchaus passieren, dass man wieder stärker in andere Sportarten geht, auch wenn das nicht immer der Wunsch ist.
Ob ich ganz neue Wege einschlagen werde, kann ich aktuell nicht sagen. Vieles ergibt sich durch Rechtevergaben und Entwicklungen im Markt. Als Sportjournalist sollte man sich ohnehin nicht auf nur eine oder zwei Sportarten festlegen. Man muss offen bleiben, schauen, was sich ergibt, und dann zum richtigen Zeitpunkt präsent sein.
Vielen Dank für das Gespräch.


