Alexander Wehrle über 100 Mio. Deal und Medienstrategie

Alexander Wehrle spricht über das 100-Millionen-Weltmarkenbündnis, die neue Strahlkraft des VfB und den Aufbau eines eigenen Medienhauses.

Alexander Wehrle, Vorstandsvorsitzender des VfB Stuttgart

Alexander Wehrle, Vorstandsvorsitzender des VfB Stuttgart, spricht im Interview über seine Rückkehr 2022, das 100-Millionen-Euro-Weltmarkenbündnis mit Porsche und Mercedes-Benz und den strategischen Aufbau eines eigenen Medienhauses. Der frühere Geschäftsführer des 1. FC Köln erklärt, wie der VfB wirtschaftliche Stabilität gewann, neue Strahlkraft entwickelte und sich digital sowie kommunikativ neu positioniert.


Herr Wehrle, Sie haben den VfB Stuttgart bereits in den 2000er-Jahren von innen kennengelernt, waren danach fast ein Jahrzehnt Geschäftsführer beim 1. FC Köln und sind 2022 als Vorstandsvorsitzender zum VfB zurückgekehrt. War diese Rückkehr ein lang gehegter Plan oder hat sich der Schritt eher aus den Umständen ergeben?

Grundsätzlich ist meine Verbindung zum VfB Stuttgart nie abgerissen. Er war früher von Klein auf Herzensangelegenheit für mich, war es auch während meiner Zeit beim 1. FC Köln und ist es bis heute stets geblieben. Das Angebot des VfB, den Vorstandsvorsitz zu übernehmen, hat mich sehr geehrt, wenngleich sich der Verein 2022 in einer äußerst herausfordernden Gesamtsituation befunden hatte. Wenn aber dein Verein, mit dem du so eng verbunden bist, dich fragt, ob du in die Gesamtverantwortung gehen willst, dann sagst du ja und packst an. Dafür braucht es keinen lange gehegten Plan.

Sie bringen neben Fußballerfahrung auch einen Hintergrund aus Verwaltung und internationalem Studium mit. Wie prägt diese Kombination heute Ihre Arbeit an der Spitze des VfB?

Auch wenn es immer schwierig ist, sich selbst hinsichtlich solcher Dinge zu bewerten, würde ich schon sagen, dass mir das Wissen und die Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen bei meinen heutigen Aufgaben sehr dienlich sind.

Die Befähigung, unterschiedliche Perspektiven und Blickwinkel im Rahmen von Entscheidungsfindungen einzunehmen, zähle ich zu meinen Stärken. Dazu muss ich noch erwähnen, dass ich auch schon vor Beginn meiner Laufbahn bis heute prägende berufliche Erfahrungen sammeln konnte, die ganz weit weg vom Fußball-Kontext waren, unter anderem im Rettungsdienst und im Bestattungswesen. Beides gibt mir bis heute eine klare Orientierung für jene Dinge, die wirklich wichtig sind im Leben, sowohl für einen persönlich wie auch im gesamtgesellschaftlichen Kontext.

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Der VfB gilt aktuell sportlich und wirtschaftlich als stabiler denn je. Welche Maßnahmen aus den vergangenen zwei Jahren, zum Beispiel in der Organisation, Kaderplanung oder Vermarktung, würden Sie persönlich als besonders erfolgreich einordnen und warum?

Der zentrale Schlüssel zum Wiedererstarken des VfB Stuttgart neben der enorm positiven sportlichen Entwicklung seit Sommer 2023 war und ist das württembergische Weltmarkenbündnis für den VfB von Porsche und Mercedes-Benz. Dieser einzigartige strategische Schulterschluss unserer beiden Anteilseigner, der zudem die Übernahme des Naming Rights unserer Arena durch MHP beinhaltet, besitzt ein Volumen von rund 100 Millionen Euro. Damit konnten wir das wirtschaftliche Fundament massiv stärken, eine weitreichende Handlungsfähigkeit zurückerlangen und gezielt in Zukunftsfelder sowie Potenzialthemen investieren. Beispielswiese in unsere digitale Infrastruktur und in Künstliche Intelligenz.

Zudem, und das spielt hierbei ebenso eine wichtige Rolle, hat das Weltmarkenbündnis dem VfB Stuttgart eine neue Strahlkraft verliehen, die sowohl generell zu einer massiven Imageverbesserung geführt hat, als auch speziell unsere Attraktivität für Sponsoren und Partner auf ein neues Level gehoben hat. Ohne das Weltmarkenbündnis wäre die Landesbank Baden-Württemberg heute nicht unser Hauptsponsor und hätte es wohl auch keine Engagements der Schwarz-Gruppe sowie von SAP beim VfB gegeben.

Diese Partnerschaften folgen klar dem Motto des Weltmarkenbündnisses „Aus der Region, für die Region“ und stehen für nachhaltige, wertschöpfende Zusammenarbeit, die auch von gesellschaftlich-sozialen wie auch Innovationsthemen geprägt ist.

Die mediale Präsenz eines Bundesligavereins ist heute ein zentraler Erfolgsfaktor. Wie steuern Sie die Kommunikation des VfB nach außen, um sportliche, wirtschaftliche und kulturelle Botschaften gezielt zu platzieren?

Wir befinden uns derzeit in einem Transformationsprozess, was unsere Kommunikation anbelangt, und investieren hier zielgerichtet. Unser Ziel ist es, ein VfB-eigenes Medienhaus zu schaffen, das es uns perspektivisch ermöglicht, eine lückenlose, authentische 360-Grad-Kommuniaktion komplett inhouse abzubilden.

Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Digital-Kommunikation und insgesamt auf Bewegtbild. Durch diese Neuausgestaltung erreichen wir eine weitaus höhe Zielgruppenschärfe für unseren Content, unsere Themen und die Vielzahl an Botschaften, die wir senden möchten. Schließlich gilt es, den VfB Stuttgart auch gerade außerhalb der Fußball-Bubble noch stärker kommunikativ zu verankern. Bundesweit, aber auch international.

Zum Abschluss: Vereine wie der VfB stehen das ganze Jahr über im Fokus der Öffentlichkeit. Wie gehen Sie grundsätzlich damit um, wenn der Verein stark im medialen Rampenlicht steht? Welche Prinzipien leiten dabei Ihre Kommunikation und Entscheidungen?

Der VfB Stuttgart ist einer der großen Traditionsvereine im deutschen Fußball. Wir haben derzeit fast 150.000 Mitglieder im Verein sowie in unserer Clubangeboten für Kinder und Jugendliche. Wir sind der mit Abstand größte Sportverein in Baden-Württemberg und stehen somit automatisch im Zentrum des öffentlichen Interesses. Überall, wo wir auftreten.

Für unsere Mitglieder und Fans ist der VfB ein Ankerpunkt in ihrem Leben, eine wichtige Konstante, die Familien, Generationen und Freundeskreise miteinander verbindet. Gleiches gilt für unsere Wirtschaftsregion, deren wichtigster Sportbotschafter wir sind. Das haben wir bei allen unseren Entscheidungen und Aktivitäten im Hinterkopf. Die VfB-Familie ist sehr vielfältig und vielschichtig. Allen und allem immer gleichzeitig gerecht zu werden ist eine große Herausforderung, die nie zu 100 Prozent gelingen kann. Wir wollen dem aber immer so nahe wie möglich kommen. Das geht über Engagement, über Nahbarkeit, über ein klares Bekenntnis zu unserer Heimatstadt und Region sowie immer auch über den Dialog.

Zudem haben wir unsere Clubwerte im Rahmen der Neuausrichtung unseres Markenbildes noch stärker ausdefiniert, so dass wir hier klare, nachvollziehbare und von der Mehrheit mitgetragene Leitplanken besitzen, an denen wir unser Handeln und Auftreten ausrichten.

Vielen Dank für das Gespräch.



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