Foto: Sascha Klahn
Alisa Türck ist noch bis zum Ende der Saison Geschäftsführerin des THW Kiel und verantwortet die Bereiche Marketing, Vertrieb, Markenentwicklung und Digitalisierung. Die erfahrene Managerin bringt eine langjährige Karriere aus Digital- und Marketingfunktionen mit und begleitet Organisationen seit Jahren durch Transformationsprozesse. Beim THW Kiel verbindet sie strategische Markenführung mit wirtschaftlicher Verantwortung im Profisport. Im exklusiven Interview mit dem SportWirtschaft Journal spricht Türck über moderne Clubführung, datenbasierte Vermarktung und die Balance zwischen Tradition und Innovation im deutschen Handball.
Frau Türck, Sie kommen aus einer langjährigen Karriere in Digital- und Marketing-Positionen. Was hat Sie persönlich motiviert, den Schritt in den Profisport zu gehen und beim THW Kiel die Geschäftsführung zu übernehmen?
Der Schritt in den Profisport war für mich eine sehr bewusste Entscheidung. Der THW Kiel vereint zwei Dinge, die mich besonders reizen: eine außergewöhnlich starke, gewachsene Marke mit internationaler Strahlkraft und gleichzeitig großes Potenzial für Weiterentwicklung und Transformation.
Ich habe in meiner Karriere viele Unternehmen durch digitale und strukturelle Veränderungsprozesse geführt. Beim THW Kiel bringe ich diese Erfahrung erstmals in einem Umfeld ein, das emotional, gesellschaftlich relevant und wirtschaftlich anspruchsvoll zugleich ist. Die Möglichkeit, auf Geschäftsführungsebene Verantwortung zu übernehmen und eine Traditionsmarke aktiv in die Zukunft zu führen, war für mich der entscheidende Antrieb.
Ihre Aufgabe umfasst Marketing, Vertrieb, Markenentwicklung und Digitalisierung. Welche konkreten Projekte oder Initiativen planen Sie in den kommenden Monaten, um den THW Kiel als moderne Sportmarke zu positionieren?
Unser Ansatz ist bewusst ganzheitlich angelegt. Es geht nicht um Einzelmaßnahmen, sondern um ein stimmiges Markenerlebnis entlang aller Kontaktpunkte. In den kommenden Monaten fokussieren wir uns weiter auf die enge Verzahnung unserer digitalen Kanäle, insbesondere von Ticketing, Fan Shop und Website, um das Fan Erlebnis deutlich zu verbessern.
Parallel entwickeln wir datenbasierte Angebote für Partner und Sponsoren, die über klassische Sichtbarkeit hinausgehen. Zudem arbeiten wir daran, die Identität des THW Kiel zeitgemäß zu übersetzen: traditionsbewusst, klar in der Sprache, modern in der Umsetzung und relevant für neue Zielgruppen. Digitalisierung verstehen wir dabei nicht als Selbstzweck, sondern als Werkzeug, um Nähe, Bindung und wirtschaftliche Stabilität zu stärken.

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Der Profisport verändert sich zunehmend, nicht nur auf dem Spielfeld. Vor welchen operativen Herausforderungen stehen Sie aktuell, etwa beim Einsatz neuer Technologien, beim Aufbau von Teams oder bei der Fanbindung?
Eine der größten Herausforderungen ist es, gewachsene Strukturen weiterzuentwickeln, ohne ihre Stärke und Identität zu verlieren. Der Profisport ist hoch emotional und gleichzeitig Teil einer Unterhaltungs und Erlebnisökonomie.
Technologisch bedeutet das, Systeme aufzubauen, die skalierbar und zukunftsfähig sind, aber auch von Mitarbeitenden, Fans und Partnern mitgetragen werden. Intern legen wir großen Wert auf klare Rollen, interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine gemeinsame Haltung.
In der Fanbindung geht es darum, unterschiedliche Erwartungen zusammenzubringen – langjährige Fans, für die der THW Kiel ein Stück Identität ist, ebenso wie jüngere Zielgruppen mit anderen Nutzungs und Kommunikationsgewohnheiten.
Sie sprechen von einer europaweit führenden Markenentwicklung. Welche Strategien verfolgen Sie, um den THW Kiel innovativ und nachhaltig zu gestalten, und wie messen Sie den Erfolg dieser Maßnahmen?
Wenn wir von einer europaweit führenden Markenentwicklung sprechen, meinen wir bewusst auch eine Vorreiterrolle abseits des Spielfeldes. Unser Ziel ist es, Benchmarks zu setzen. Nicht nur für den Handball, sondern für professionelles Clubmanagement insgesamt.
Innovation verstehen wir dabei als kontinuierlichen Prozess, der Verantwortung und Nachhaltigkeit einschließt. Erfolg messen wir daher nicht ausschließlich in Reichweite oder Umsatz, sondern in der Relevanz unserer Marke, der Stärke und Qualität unserer Partnerschaften sowie in der langfristigen Bindung unserer Fans.
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Wenn Sie auf den Handball in Deutschland blicken, welche Rolle spielt der THW Kiel aus Ihrer Sicht aktuell, und worin liegt die besondere Stärke Ihres Clubs?
Der THW Kiel nimmt eine klare Rolle im deutschen Handball ein, auch abseits des Spielfeldes. Der Club steht seit Jahrzehnten für Professionalität, Verlässlichkeit und hohe Standards, und diesen Anspruch übertragen wir konsequent auf Themen wie Markenführung, Organisation und partnerschaftliche Zusammenarbeit.
Die besondere Stärke des THW Kiel liegt in seiner Identität als Traditionsclub mit einer langen Historie und einer außergewöhnlich treuen, generationsübergreifenden Fanbasis. Gleichzeitig verfügt der Club über sehr enge, langfristig gewachsene Beziehungen zu Partnern und Sponsoren. Diese Kombination aus Tradition, Vertrauen und Innovationsbereitschaft bildet das Fundament unserer weiteren Entwicklung.
Vielen Dank für das Gespräch.


