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Oliver Bierhoff zählt zu den prägenden Gestaltern des deutschen Fußballs. Als Spieler, DFB-Manager und heute als international vernetzter Berater. Im exklusiven Interview für das SportWirtschaft Journal analysiert er die Unterschiede zwischen europäischen Ligen und dem US-Sportmodell, spricht über die Entstehung von „Die Mannschaft“, die Rolle von Bildung im Profisport und über seine eigenen Perspektiven für eine mögliche Rückkehr in eine Führungsrolle.
Herr Bierhoff, Sie haben als Spieler in Italien, als Manager beim DFB und nun als Berater in den USA sehr unterschiedliche Fußballwelten kennengelernt. In welcher Phase haben Sie persönlich am meisten Wissen im Bereich Sportbusiness gesammelt?
Am meisten habe ich in meiner Zeit als Geschäftsführer beim DFB und Verantwortlicher der Nationalmannschaft über das Sportbusiness erfahren. In dieser Funktion habe ich mich immer bemüht, über den Tellerrand zu schauen und mit einem guten Netzwerk im Sportbusiness Wissen und Impulse zu sammeln. Das amerikanische Sportbusiness hat mich schon immer begeistert und deshalb bin ich froh, mit meinem Engagement bei den Patriots ganz nah dran zu sein.
Wenn Sie die Bundesliga, die Serie A und die US-Ligen nebeneinanderstellen: Welche Unterschiede in Strukturen, Vermarktung und Fanbindung sind Ihnen besonders aufgefallen?
Der amerikanische Profisport unterscheidet sich komplett von den europäischen Ligen. Die US-Ligen sind geschlossene Ligen mit Franchises und den Besitzern der Franchises gehört die Liga. Das ermöglicht den Entscheidungsträgern, eine einheitliche, klare Strategie zu fahren, die natürlich stark kommerziell getrieben ist. Auch wenn der europäische Sport mittlerweile auch Kommerz getrieben ist, bestehen doch Unterschiede in der Governance der Vereine und den Zielausrichtungen. Beide vereint, dass der Fan im Mittelpunkt steht.

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Sie haben die Nationalmannschaft als Marke neu aufgestellt. Nehmen Sie uns einmal mit: Wie ist der teilweise kontrovers diskutierte Claim „Die Mannschaft“ damals wirklich entstanden und welche Überlegungen standen dahinter?
Da sind viele falsche Aussagen getätigt worden. Der Begriff „DIE MANNSCHAFT“ ist ganz natürlich entstanden, weil wir während der WM 2014 von den internationalen Medien nur als „DIE MANNSCHAFT“ bezeichnet wurden. Wir hatten vorher bereits den Claim „Die Nationalmannschaft“ entwickelt und fanden die Weiterführung zum Begriff „DIE MANNSCHAFT“ packender und auch in vielen Vermarktungsmaßnahmen einfacher umsetzbar.
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Sie selbst haben sich neben Ihrer sportlichen Laufbahn weitergebildet. Welche Bedeutung messen Sie Bildung im Profisport zu? Und was raten Sie jungen Spielern, die früh zwischen sportlicher Karriere und persönlicher Entwicklung abwägen müssen?
Für mich war es von Anfang an wichtig, mich auf die Zeit nach meiner aktiven Karriere als Profisportler vorzubereiten. Mir hat mein Studium, das ich während meiner Profizeit abgeschlossen habe, immer wieder geholfen, vom Fußball abzuschalten und den Kopf freizubekommen. Ich würde jedem jungen Spieler raten, seine eigene Entwicklung außerhalb des Platzes voranzutreiben. Das muss nicht immer ein Studium sein, das können auch das Erlernen einer Sprache oder andere Dinge sein.
Abschließend: Können Sie sich vorstellen, noch einmal eine führende Rolle im deutschen Fußball zu übernehmen? Und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen?
Im Grunde kann ich mir alles vorstellen, wenn ich das Gefühl habe, dass ich einen Mehrwert leisten kann und ich mit wertebasierten, integren Menschen zusammenarbeite.
Vielen Dank für das Gespräch.


